Manch einer in leitender Vereinsposition ist offensichtlich der Meinung, dass man als Tabula Rasa ungehindert und ungestört machen kann was man will. Erst neulich wurde aus dieser Richtung ein bezeichnendes Statement vernommen „Klagen? Das ist doch, als wenn Wasser die Wand runterläuft“. Damit zeigt sich, dass solche Leute zwar einerseits keine Ahnung haben (beispielsweise weil man den Blick in Ordnungen und Gesetzestexten erst für die nächste Amtsperiode plant), aber andererseits munter weiter ohne Rücksicht und Verstand vor sich hinwursteln, in der Annahme, dass einem nichts passieren wird.
Allerdings ist es so eine Sache, wenn man die Rechnung ohne den Wirt macht, nicht wahr. In der regionalen Politik gibt es ein phänomenales Beispiel dafür, dass sich so manches eigendynamisch ungeplant entwickelt.
Es geht um Willy Wiener (nein, das ist kein Künstlername, der ist echt!), Bezirksvorsitzender der rechtsextremen NPD, Organisator und Anmelder mehrerer Neonazi-Demos in Regensburg. Laut Presse gehört Wiener zu jenen Rechtsradikalen, die es verstehen, Gesetze für sich zu nutzen, und immer schön legal mit Demonstrationen und Kundgebungen die Demokraten zu reizen.
Wie das immer so ist, geht halt aber manchmal der Gaul mit einem durch oder man übertreibt es simpel, vielleicht weil man sich seiner Sache zu sicher ist…?
Im Falle Wiener war es so, dass er sich bei einer unerlaubten Demo als Mitläufer darstellen wollte, aber der Richter beim anschließenden Verfahren entschied „Es ist lebensfremd, anzunehmen, dass sein Leittier zum Mitläufer wird“. Somit begründet sich politisch, dass es nicht sein kann, dass man auf der einen Seite zwar Verantwortung durch Annahme eines entsprechenden leitenden (Vereins-)Postens annimmt, im Falle des Scheiterns sich aber als Unschuldshammel aus dem Staub machen kann. Wiener versuchte noch einen alternativen Weg aus der Klemme, indem er behauptete dass sich aufgrund der Verhaftung eines Kameraden eine Spontandemo gebildet hätte. Aber auch das hat der Richter sofort abgewiesen, weil nicht jeder „Vorfall“ den Anlass für eine Spontandemo bilden kann oder darf.
Der Kontext daraus ist, dass manchmal das Wasser auch schnell und effektiv die Wand runterlaufen kann und dass Leittiere durchaus die Konsequenzen für ihre Taten und Untaten zu tragen haben, wie Wiener, der in diesem Fall zu 50 Tagessätzen verurteilt wurde.
Außerdem soll man die anderen nicht unterschätzen, und sie mit faden Ausreden beleidigen.
Falsch ist es außerdem zu glauben, dass man die Öffentlichkeit über Intentionen immer täuschen kann um sich selbst in ein besseres Licht zu rücken. Auch hier will ich noch mal von Willy Wiener berichten. Vor etwa zwei Jahren beschloss er einen NPD-Stand im Rahmen des Wochenmarktes zu etablieren, um die Partei in einer guten Beleuchtung darzustellen. Er hielt es für eine gute Idee, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass die NPD mitnichten ausländerfeindlich ist. Deshalb begann er im Beisein diverser Pressevertreter einem türkischen Mitbürger bei der Demontierung dessen Gemüsestandes behilflich zu sein. Der türkische Mitbürger wusste jedoch wer da Hand an seinem Hab und Gut anlegen wollte und bewarf ihn mit Obst und Gemüse – und zwar vor laufender Kamera.
Im Internet betreiben die Freunde von Wiener und seiner Partei eine Homepage, in der seine Aktivitäten – bestimmt nicht immer objektiv - beleuchtet werden. Man kann fast Mitleid entwickeln, wenn man über diese wirklich fiesen Verleumdungen informiert wird. Allerdings lenkt mich persönlich das Layout dieser Homepage etwas ab, welches in einem besänftigenden Blau (Blau, so wie man sich zum Beispiel einen schwedischen kühlen Morgen vorstellt) gehalten ist. Ich finde, diese Farbgebung passt nun so gar nicht zum Inhalt, der unter dem Namen „Rechtes Regensburg“ präsentiert wird.
Man sollte schon mal anfangen Gemüse und Obst zu sammeln, für die Leute die einen für dumm verkaufen wollen, zum Beispiel indem sie öffentlich behaupten dass 14, 16, 20, 24 und 32 Primzahlen wären, und einen auf Eis legen oder mundtot machen, wenn man dagegen Widerspruch einlegt, weil man es eben besser weiß und weil man die Gesetzesmässigkeit zur Festlegung von Primzahlen kennt.
Oder um es mit den Worten von Theodore Fontane wiederzugeben:
Der Standpunkt macht es nicht,
die Art macht es,
wie man ihn vertritt.
Mehr über Primzahlen:
http://domovojstories.blogspot.com/2009/11/am-besten-komm-ich-durch-den-tag-wenn.html